Heaphy Track durch den Kahurangi National Park

Vor der viertägigen Wanderung hatte ich etwas Respekt, da es mit unserem Zelt vom nörd-östlichen Teil der Südinsel zum ersten Mal auf die Westseite ging: Mit Regen in den Bergen war zu rechnen, ist der Rucksack nicht zu schwer und werden wir es am letzten Wandertag rechtzeitig zum Pickup für den aufwändigen Rücktransport, gefühlt am AdW, schaffen? 

Die Wanderung ist der längste Great Walk als Wanderung, ca. 78 km. Der Weg ist aber nicht zu anspruchsvoll, da er auch mit Mountainbikes befahrbar ist. Wir starteten also im Norden, in einem Tal in der Gegend Takaka / Collingwood an der Brown Hut. Der Weg führte am ersten Tag recht unspektakulär durch Wald ansteigend zum Perry Saddle (erste Zeltnacht), durch eine schöne Gras- und Moorlandschaft zur James Mackkay Campsite (zweite Zeltnacht), sodann gemächlich absteigend und über unzählige Hängebrücken durch einen atemberaubenden Urwald zur Heaphy Hütte/Campsite (dritte Zeltnacht) und dann an der rauen Küste auf Urwaldpfaden entlang zum Kohaihai Shelter.  

Die erste Hütte war – so lernten wir bei den nächsten Stops – auch für NZ Verhältnisse aussergewöhnlich schlicht. In jeder Hütte des Weges soll man seine Route im Intentions Book verzeichnen, das sich hinter dem grünen Brettfenster versteckt.


Der Kahurangi Naitionalpark ist, wenn ich es recht verstanden habe, der größte in NZ. Es herrscht mit Abstand die größte Diversität an Pflanzen- und Tierarten und es gibt dem entsprechend das vielfältigste Vorkommen der neuseeländischen Bäume und Farne. Überall fließt Wasser, Wolken schieben sich über den Wald, Moose leuchten manchmal sogar neongrün und besonders die schönen Flechten haben es mir angetan. Aber seht selbst :)

Das neuseeländische Rotkehlchen ist ein Weißkehlchen (heißt eigentlich Langbein- oder Südinselschnäpper, auf Maori: Kakaruwai). Es hat uns immer wieder sehr aufmerksam vom Wegesrand aus beobachtet. 
Der blauschimmernde Vogel ist ein Tui, diese sind ganz heiß auf den Nektar der Flachspflanze. Man sieht ihn hier überall, und er pfeift und tönt auch sehr schön und für unser Ohr recht ungewöhnlich.

Am zweiten Tag ging es durch die Gouland Downs, das gelbe Gras und die Weite bildeten einen wohltuenden Kontrast zum ersten Tag. Ab und zu ging es auch über ellenlange Holzwege (nicht metaphorisch, natürlich) und ein paar Brücken.

Powelliphanta

Von mir liebvoll die Fanta-Schnegge genannt. Zwar haben wir keine Kiwis gesehen (sie waren nachts wohl immer da, aber da haben wir geschlafen), dafür aber dieses Prachtstück, das eigentlich auch nachtaktiv ist. Das Haus dieser endemischen Schnecke ist frauenhandteller groß. Sie kann so 25 Jahre alt werden, und sie ist die einzige ihrer Art, die sich fleischlich ernährt. Aber wie geht eine Schnecke bitte jagen? Wir lasen: Ihre Leibspeise sind Regenwürmer, die sie genüsslich einsaugt wie Spaghetti! 

Am dritten Tag auf dem Weg entlang am braunen Heaphy River konnten wir endlich Meer sehen. Der Urwald war undurchdringlich, die Hängebrücken machten Spaß. Bei der Heaphy Hütte angekommen konnten wir beobachten, wie der braune Heaphy gegen das weisse Wasser der Flut ankämpfte.

Am letzten Tag sind wir früh los, genossen die Strandsicht und einen unvergesslichen Rückflug. Ich saß als Copilotin in einer 4sitzer Maschine, der Wind war spürbar und die Art des Fliegens war gefühlt noch echte Handarbeit.